Neurobiologischer Hintergrund bei ADHS und ADS

Jan 12, 2022

Das Zusam­men­spiel vie­ler akti­ver Ner­ven­zel­len bewirkt elek­tri­sche Poten­ti­al­schwan­kun­gen, die durch ein EEG abge­lei­tet wer­den können.

Stu­di­en zei­gen, dass bei einer AD(H)S bio­lo­gi­sche Ver­än­de­run­gen im Gehirn – spe­zi­ell im Gehirn­wel­len­mus­ter der Gehirn­strom­ak­ti­vi­tä­ten – vor­lie­gen. Dabei sind die lang­sa­men The­ta-Wel­len, die nor­ma­ler­wei­se bei tie­fer Ent­span­nung und einem schläf­ri­gen Wach­zu­stand vor­kom­men, zu stark aus­ge­prägt. Gleich­zei­tig sind die schnel­len Beta-Wel­len, die bei kon­zen­trier­ter geis­ti­ger oder kör­per­li­cher Akti­vi­tät und einem auf­merk­sa­men Wach­zu­stand vor­kom­men, ver­min­dert. Die­se Ver­än­de­run­gen neu­ro­na­ler Pro­zes­se zei­gen sich ursäch­lich für das Sym­ptom­bild der AD(H)S. Die neu­ro­na­le Erre­gung und Hem­mung ist dysreguliert.

Neurobiologischer Hintergrund bei ADHS und ADS

Die­se psy­cho­phy­sio­lo­gi­schen und neu­ro­phy­sio­lo­gi­schen Fehl­funk­tio­nen füh­ren zu Auf­merk­sam­keits­stö­run­gen, die sozia­le, schu­li­sche, beruf­li­che und sport­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit beein­träch­ti­gen. Neurofeedback The­ra­pien zie­len dar­auf ab dys­funk­tio­na­le Gehirn­ak­ti­vi­tä­ten zu regu­lie­ren. Dabei wer­den Gehirn­strom­ak­ti­vi­tä­ten mit hoch­spe­zia­li­sier­ten Mess­sys­te­men erfasst, ana­ly­siert, visua­li­siert und kon­trol­lier­bar gemacht. Kli­en­tIn­nen bzw. Pati­en­tIn­nen erler­nen, ihre Gehirn­ak­ti­vi­tä­ten zu beein­flus­sen, um ihre Auf­merk­sam­keit und Leis­tungs­fä­hig­keit zu steigern.

Biofeedback und Neurofeedback The­ra­pien sind viel­fäl­tig und rich­ten sich nach den indi­vi­du­el­len Beschwer­den und Begleitsymptomen.

Neurofeedback bei AD(H)S hoch wirksam

Mitt­ler­wei­le hat sich eine Viel­zahl an Stu­di­en mit BIOFEEDBACK und NEUROFEEDBACK bei AD(H)S beschäf­tigt. Dabei fin­det sich laut Yucha und Mont­go­me­ry (2008) die Wirk­sam­keit von Neurofeedback für ADHS auf Stu­fe 5: „ hoch wirk­sam und spe­zi­fisch “. Die­se Bewer­tung wur­de vom Vor­stand der Ame­ri­can Asso­cia­ti­on for App­lied Psy­cho­phy­sio­lo­gy and Biofeedback (AAPB) und der Inter­na­tio­nal Socie­ty for Neurofeedback and Neu­ro­the­ra­py (ISNR) angenommen.

NEUROFEEDBACK ist eine ver­hal­tens­me­di­zi­ni­sche Metho­de, bei der mit­tels medi­zin­tech­ni­schen Gerä­ten die Gehirn­strom­ak­ti­vi­tä­ten durch ein Elek­tro­en­ze­pha­logramm (EEG) kon­ti­nu­ier­lich gemes­sen und den Kli­en­tIn­nen bzw. Pati­en­tIn­nen gra­phisch über einen Moni­tor rück­ge­mel­det wer­den. Die­se Gehirn­strom­ak­ti­vi­tä­ten reprä­sen­tie­ren die Akti­vi­tät ver­schie­de­ner Berei­che im Gehirn.

Das Prin­zip des NEU­RO­FEED­BACKS bei AD(H)S beruht auf der akti­ven Beein­flus­sung abwei­chen­der Gehirn­strom­ak­ti­vi­tä­ten. Die­se Metho­de wird bei Kin­dern, Jugend­li­chen und Erwach­se­nen mit AD(H)S seit 1970 unter­sucht und seit über 50 Jah­ren erfolg­reich ange­wandt (Uni­ver­si­tät Tübin­gen u. a.).

Mit­tels NEUROFEEDBACK kön­nen Auf­merk­sam­keits­de­fi­zi­te und Kon­zen­tra­ti­ons­stö­run­gen nach­hal­tig behan­deln werden.

Ablauf und Ziele des Neurofeedback Trainings:

Beim NEUROFEEDBACK Training wer­den die Gehirn­strom­ak­ti­vi­tät durch ein EEG abge­lei­tet und in Form von typi­schen Wel­len- und Fre­quenz­mus­tern erfasst. Um die Gehirn­strom­ak­ti­vi­tät ablei­ten zu kön­nen, müs­sen Sen­so­ren (Elek­tro­den) auf der Kopf­haut ange­bracht wer­den. Das Anbrin­gen der Elek­tro­den auf der Haut­ober­flä­che ist schmerz­frei. Um einen Kon­takt zwi­schen der Kopf­haut und der Elek­tro­de her­zu­stel­len, wer­den die­se mit einem abwasch­ba­ren und aus­kämm­ba­ren Gel befüllt. Über die Elek­tro­den wird die elek­tri­sche Akti­vi­tät der ober­flä­chen­na­hen Berei­che des Gehirns gemes­sen. Das Vor­ge­hen ver­ur­sacht kei­ner­lei Neben­wir­kun­gen. Die gemes­se­nen Daten wer­den an einen Com­pu­ter gesen­det, der sie aus­wer­tet und die Gehirn­strom­ak­ti­vi­tät auf einem Com­pu­ter­bild­schirm zurück­ge­mel­det. Dabei wird die an sich nicht wahr­nehm­ba­re Gehirn­ak­ti­vi­tät sicht­bar gemacht.

Screenshot mit grafischer Darstellung von Gehirnwellen

Bei Neurofeedback wird auch nicht wahr­nehm­ba­re Gehirn­ak­ti­vi­tät sicht­bar gemacht.

Im Rah­men des Neurofeedback Trai­nings ler­nen die Kli­en­tIn­nen bzw. Pati­en­tIn­nen, die dar­ge­stell­ten Gehirn­strom­ak­ti­vi­tä­ten aktiv zu beein­flus­sen und zu ver­än­dern. Wenn dies gelingt, wird eine posi­ti­ve Rück­mel­dung (z.B. in Form eines Smi­leys) 😊 auf dem Com­pu­ter­bild­schirm ange­zeigt (ope­ran­te Konditionierung).

Ziel der Neurofeedback-The­ra­pie ist, dass die gelern­te Stra­te­gie spä­ter auch ohne EEG-Rück­mel­dung im All­tag auto­ma­tisch ein­ge­setzt wird, um die Regu­la­ti­on der neu­ro­na­len Fehl­funk­tio­nen zu for­cie­ren und zu erhalten.